Hautapucerche Im Jahr 1488 hat Hautacuperche einen Aufstand der Einheimischen gegen die spanischen Besatzer angeführt.

Valle Gomera

 

 

 

 

 


Valle Gran Rey auf
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Der Eremit Ernesto
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Eremit auf La Gomera, ( verstorben am 13.01.2013 )
er lebt allein in seinem Stein-Häuschen mit Atlantikblick - und zaubert für müde Wanderer leckeres Essen mit erlesenen Zutaten, unter anderem aus seinem Kakteenwald.

Kaktussuppe und auch Schnaps, das hat´s! Er liebt es für andere zu kochen und zückt so manchen weisen Rat.
Wir entdeckten Ernst im September 2010, fanden einen Freund und brachten Ihm im April ein paar Fotos mit.
Die vermisst er ja so, im Digitalen Zeitalter.

Stolz zeigte Ernst uns einen Artikel

Zuerst hört der Asphalt auf. Die Straße wird zur Sandpiste, windet sich Kurve um Kurve kilometerweit durch die steinige, nur von Kakteen, Agaven und einigen Palmen bewachsene Landschaft. Je weiter man fährt, desto löchriger wird der Belag. Dann endet der Weg abrupt - an einem Abgrund. An diese Stelle La Gomeras, der zweitkleinsten der Kanarischen Inseln, verirrt sich nur sehr selten jemand mit dem Auto.

 

Denn hier, wo die Straße aufhört, beginnt die Welt von Ernst, dessen Nachname "jetzt mal egal ist", wie er sagt. Es ist eine einfache Welt, "ohne viel Schnickschnack", sagt Ernst, "es ist meine Welt." Auf einem Schild ist zu lesen: "Herzlich Willkommen beim Eremiten! In 80 Metern Kräutertee und Kaktussuppe!"

Ernst sitzt auf seiner Terrasse, fingert eine Zigarette aus der Schachtel und zündet sie an. Ernst lebt alleine, seit zehn Jahren, in einem halb verfallenen Häuschen aus Naturstein, das sich in einem grünen Meer aus dickblättrigen Kakteen versteckt. Ohne Post, Telefon und Strom. Mit Hund und fünf Hühnern.

 

Vielleicht ist dieser Ort einer der entlegensten der gesamten Insel. Und dennoch sagt der Mann mit den tiefen Lachfalten und dem mächtigen Schnauzbart: "Ich bin kein Aussteiger, ich bin ein Einsteiger ins Leben." Dann lächelt er, als gehöre ihm dieses Panorama ganz alleine. Und irgendwie ist es ja auch so - es gehört ihm alleine, denn niemand sonst ist da, mit dem er es teilen könnte.

Das Haus steht auf einem Hügel. An klaren Tagen kann man weit über den Ozean bis zur Nachbarinsel El Hierro blicken, wo am Abend die Sonne verglüht, wo häufig Wale vorbeiziehen. Seit Ernst ein gutes Fernglas hat, steht er oft Stunden auf seiner Terrasse. Doch jetzt sind keine Tiere zu sehen. In der Ferne gräbt bloß die Expressfähre, die die Inseln verbindet, eine weiß schäumende Furche in das tiefe Blau des Meeres, das Geräusch der Motoren ist auch hier oben - auf fast 700 Metern - noch deutlich zu hören.

Alleinsein lernen

Mit den Geräuschen ist das eh so eine Sache, sagt Ernst, "mit den Geräuschen fing nämlich alles an. Sie helfen dir, deine Einsamkeit zu verstehen." Wenn man zum Beispiel in der Ferne etwas hört, ist man gedanklich bei diesem Geräusch, also in der Ferne. Doch ist es vollendet still, ist man nur noch bei seinem eigenen Atem, bei dem eigenen Tun. Also ist man ganz bei sich. "Da bin ich oft", sagt Ernst, den viele bloß den "Eremiten" nennen.

Doch in den ersten Monaten war das Alleinsein gar nicht so einfach. "Das musste ich erst lernen. Ich habe viel geweint", sagt er. Und es gab Tage, da glaubte er, verrückt zu werden. "Da du nichts hörst, hörst du alles", sagt er, "und ich war ganz erschrocken, wo die vielen Geräusche herkommen. Bis ich merkte, dass das meine Därme sind."

Aus einem Bauerndorf unweit von Wels in Oberösterreich kam Ernst mit 18 nach Düsseldorf. Er blieb 27 Jahre, leitete viele Jahre eine Grillstube mit zwölf Angestellten. "Der Laden lief richtig gut, sieben Tage die Woche, 60 bis 80 Mittagstische, eine Goldgrube", erzählt der 56-Jährige, "doch ich hatte Beton im Kopf und trat auf der Stelle, ich brauchte frische Gedanken." Also tat er das, wovon viele ihr Leben lang reden, es aber nie tun würden: Er begann ein neues Leben.

Eigentlich wollte er in die Toskana, doch ein Freund erzählte ihm von La Gomera, der Sommerinsel mitten im Atlantik, die das Aussteigertum zelebriert wie keine zweite der Kanaren, wo Menschen freiwillig für ein paar Wochen zurück in Höhlen ziehen und das dann unabhängiges, naturverbundenes Leben nennen. Ernst packte das Nötigste zusammen, hatte 40.000 Mark in der Tasche, seine gesamten Ersparnisse. Er lebte gut, feierte jeden Abend in den Kneipen des Valle Gran Rey, des Tals des Königs an der Westküste, wo viele wie die Könige leben wollen, wo oft von "Erleuchtung" und "Selbsterkenntnis" die Rede ist, wo deutsch gesprochen wird.

Das Ersparte war schnell weg. Auf einer Wanderung in den Bergen aber entdeckte Ernst die Reste eines Hirtenhauses. Eine Ruine, fast 30 Jahre hatte sie leer gestanden. Acht Monate dauerte es, bis er die Besitzerin gefunden hatte. Eine alte Dame, die heute auf Teneriffa lebt. Er renovierte und pachtete das Gemäuer mit dem verwilderten Grundstück für fünf Jahre, dann für fünf weitere und schließlich auf Lebenszeit. Nun kann er bleiben, so lange er möchte.

Wer mit Eremiten Enthaltsamkeit und Einsamkeit verbindet, wird sich bei Ernst wundern. Denn nicht selten stehen unerwartet Fremde bei ihm im Garten. Da sein Häuschen an einem der Wanderwege der Insel liegt, hat er häufiger mal Besuch, "vermutlich mehr als manch einer in der Stadt", sagt er und grinst. Ernst hat gerne Gäste. Auch da er eine Leidenschaft aus seinem früheren Leben mitgenommen hat: "Ich liebe es, für andere zu kochen."

Und so belebt er seine Einsamkeit mit der Arbeit im Gemüsegarten. Er pflanzt Kartoffeln, Karotten oder Zwiebeln, sät Minze, Rosmarin oder Melisse, erntet Kakteen, Mandelblüten oder Feigen. Was nicht aus seinem Garten kommt, wird eingekauft - einmal im Monat, immer auf Vorrat. Seit er einen Kühlschrank hat, der mit Gas funktioniert, kann er die aufwendigsten Gerichte kochen.

Und Ernst versteht etwas vom Kochen. Denn schon früh in seinem Leben ging es ums Essen. Seine Tante hatte eine Bierstube, wo er als Sechsjähriger in der Küche half. Als seine Großmutter starb, bekochte er auf dem Hof seiner Eltern die Tagelöhner. Zwei Mahlzeiten am Tag. Da war er zehn. "Sogar meinem Vater hat es geschmeckt", sagt er, "und auch ich war schon immer ein Genießer."

Und das sollen auch die, die ihn besuchen: genießen. Meist bereitet er drei Gänge. Als Vorspeise gibt es heute würzige Kaktussuppe aus den fleischigen Blättern, die er schält, in Streifen schneidet und die ein wenig nach Gurke schmecken. Als Hauptgang folgt Tafelspitz mit Schnittlauchsoße, als Dessert in Rotwein eingelegte Feigen. Dazu Zitronengras-Lavendel-Tee aus dem eigenen Garten. Aus den Früchten der Kakteen macht er zudem Marmelade und den eigenen Schnaps auf Wodkabasis, der monatelang vor sich hin reift, eine fruchtig-zimtige Note hat und beim Verdauen helfen soll.

Nachrichten mit Verspätung

Die Gäste geben ihm dafür, was sie geben möchten - davon lebt Ernst. Doch seine Besucher sind noch viel mehr, sie sind sein Kontakt zur anderen Welt. Am Esstisch erzählen sie von den Ereignissen "da draußen", wie er es nennt. Geschichten, die zwischen den Kakteen und mit dem Blick auf den Atlantik manchmal wie Märchen klingen. Die Nachricht etwa, dass Barack Obama zum neuen US-Präsidenten gewählt worden war, erreichte ihn fünf Tage später. Am 11. September 2001 war er zufällig beim Einkaufen in Playa Santiago, dem nächstgelegenen Ort, und wunderte sich über die vielen Menschen vor der Bar, die sich um einen einzigen Fernsehapparat drängten.

Doch dann kommt lange kein Wanderer vorbei, manchmal vier Wochen oder länger. "Dann muss ich aufpassen, dass ich in meiner Einsamkeit nicht zum Spinner werde", sagt Ernst. "Schließlich bin ich hier für alles verantwortlich und kann niemandem außer mir einen Vorwurf machen." In seiner Welt gibt es keine Ausreden. Er sagt, wenn er noch 15 Jahre hier oben leben könne, sei das gut. Wenn es noch 20 Jahre funktioniere, sei das sehr gut. Bekannte, die ihn regelmäßig besuchen, sagen, sie haben Angst davor, dass sie ihn eines Tages tot auf der Couch oder in der Ecke finden. "Dann ist auch das gut", sagt er, "das dauert aber noch."

Bis es so weit ist, wird er noch oft am Tisch auf seiner Terrasse sitzen, die Wale beobachten und im Kreuzworträtsel auf die beliebte Frage stoßen: "Einsiedler" mit sechs Buchstaben? "Das bin ich selber", sagt Ernst, doch "Ernst" passe ja nicht, das sei zu kurz - dann eben "Eremit". Und manchmal fragt er sich dann, wie Helmut Kohl das wohl macht, wenn im Rätsel nach einem Altbundeskanzler mit vier Buchstaben gefragt wird. "Der schreibt doch auch nicht einfach 'Ich' in die Felder, sondern 'Kohl'." Und dann grinst Ernst und schweigt wieder - bis zu seinem nächsten unerwarteten Gast. (Quelle Spiegel Online von Oliver Lück)

 

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